Aus der Praxis
Schnittstelle Mensch – Maschine: gut oder gefährlich?
Funktionsprinzip: Das Regelsystem Mensch-Maschine
Mensch und Maschine bilden gemeinsam ein geschlossenes Regelsystem: Die Maschine liefert über Anzeigen Informationen, der Mensch verarbeitet diese und reagiert über Stellteile – die Maschine wiederum reagiert auf diese Eingabe. Stell- und Anzeigeteile müssen so angeordnet sein, dass sie zur Wichtigkeit der jeweiligen Funktion und zum Anlagen-Grundriss passen, intuitiv erkennbar sind und sich klar voneinander unterscheiden lassen.
Gerade bei komplexeren Steuerungssystemen oder Bedienoberflächen zeigt sich häufig ein Grundproblem: Zu viele Funktionen oder eine unübersichtliche Menüführung überfordern die Bedienperson. Das ist bei der Gestaltung von Steuerpulten, Human-Machine-Interfaces und Alarmsystemen unmittelbar zu berücksichtigen.
Kerndaten und Gestaltungsparameter
Eine gute Mensch-Maschine-Schnittstelle berücksichtigt nicht Einzelpersonen, sondern die Bandbreite der tatsächlich vorkommenden Körpermaße. Diese Bandbreite betrifft Sichthöhen, Greifräume, Bedienkräfte und Sicherheitsabstände gleichermaßen.
| Gestaltungsbereich | Relevanter Parameter | Praxisrelevanz |
|---|---|---|
| Anzeigen/Stellteile | Anordnung nach Wichtigkeit und Grundriss | Reduziert Fehlbedienung |
| Körpermaße | Bandbreite der vorkommenden Körpermaße | Berücksichtigt unterschiedliche Statur der Belegschaft |
| Informationsverarbeitung | Begrenzte gleichzeitige Verarbeitungskapazität | Begrenzt sinnvolle Funktionsübersicht |
| Software-Dialoge | Sofortige, klare Rückmeldung | Vermeidet Fehlinterpretation von Zuständen |
| Körperhaltung | Vermeidung von Zwangshaltungen | Reduziert Ermüdung und Beschwerden |
Betrieb und typische Fehlerbilder
In der Praxis entstehen die größten Probleme oft nicht durch grobe Konstruktionsfehler, sondern durch schleichende Abweichungen vom ergonomischen Grundprinzip. Zwangshaltungen – etwa Überkopfarbeit, seitlich gebeugte Körperhaltungen oder verdrehte Kopfpositionen – führen bei Daueranwendung zu schneller Ermüdung und schmerzhaften Beschwerden, was sich mittelfristig in Konzentrationsverlust und steigender Fehlbedienungsrate niederschlägt.
Auch bei Software-Schnittstellen gilt: Fehlt eine klare, nachvollziehbare Rückmeldung über laufende Abläufe, steigt das Risiko von Fehlentscheidungen – insbesondere in Stresssituationen oder bei Störungen.
Sicherheitstechnisch relevant wird die Schnittstelle Mensch-Maschine auch dort, wo Sicherheitsbauteile ins Spiel kommen: Schutzeinrichtungen zur Personendetektion, kraftbetriebene bewegliche trennende Schutzeinrichtungen mit Verriegelung für bestimmte Maschinen und Logikeinheiten zur Gewährleistung der Sicherheitsfunktionen zählen zu den Sicherheitsbauteilen für Maschinen (MSV 2010, Anhang V). Diese Komponenten sind Teil der Schnittstelle, weil sie unmittelbar auf menschliches Verhalten reagieren – etwa durch Abschaltung bei Eingriff in den Gefahrenbereich.
Instandhaltung: Worauf zu achten ist
Bei Wartungsarbeiten wird die Mensch-Maschine-Schnittstelle besonders gefordert: Instandhaltungspersonal muss oft in Bereichen arbeiten, die für den Normalbetrieb nicht ausgelegt sind. Hier zeigt sich, ob Stellteile auch unter Zeitdruck und in ungewohnter Körperhaltung eindeutig bedienbar bleiben. Regelmäßige Prüfungen der Anzeige- und Bedienelemente auf Erkennbarkeit, Erreichbarkeit und Funktionsklarheit gehören daher zu einer vorausschauenden Instandhaltungsstrategie – unabhängig von den ohnehin bestehenden wiederkehrenden Prüfpflichten für bestimmte Arbeitsmittelkategorien.
| Prüfaspekt | Typische Schwachstelle | Empfohlene Maßnahme |
|---|---|---|
| Anzeigen | Unklare Symbolik, schlechte Sichtbarkeit | Kontrastcheck, Beschriftung erneuern |
| Stellteile | Verwechslungsgefahr bei ähnlichen Bedienelementen | Eindeutige Kennzeichnung, Trennung |
| Zugänglichkeit | Zwangshaltung bei Wartungszugriff | Anpassung von Greifräumen und Zugangswegen |
| Software-Dialoge | Fehlende Rückmeldung bei Statusänderung | Klare, sofortige Systemrückmeldung |
Die Schnittstelle Mensch-Maschine ist also weder grundsätzlich gefährlich noch automatisch sicher – sie ist so gut oder so riskant, wie sie gestaltet und gepflegt wird. Wer Anzeige- und Bedienkonzepte regelmäßig aus ergonomischer und sicherheitstechnischer Sicht überprüft, reduziert Fehlbedienungen spürbar und schafft die Basis für einen stabilen, störungsarmen Anlagenbetrieb.
Als externe Sicherheitsfachkraft unterstützt das Ingenieurbüro Lemmerer Produktions- und Instandhaltungsteams dabei, Mensch-Maschine-Schnittstellen praxisnah zu bewerten und Verbesserungspotenziale konkret umzusetzen. Für eine unverbindliche Erstberatung stehe ich gerne zur Verfügung – sprechen Sie mich bei Fragen zu Ihrer Anlage einfach an.
Quellen
- Arbeitsinspektion Österreich: „Schnittstelle Mensch – Technik“, Stand laut arbeitsinspektion.gv.at
- Maschinensicherheitsverordnung (MSV 2010), Anhang V – Liste der Sicherheitsbauteile für Maschinen
- ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) i.V.m. Arbeitsmittelverordnung (AM-VO), Grundprinzipien zu Schutzeinrichtungen