Aus der Praxis

Prozessoptimierung im Zusammenspiel von Technik und Wirtschaft

Jörg Lemmerer
#WirtschaftMitTechnik #LemconTech #IngenieurbueroLemmerer #Prozessoptimierung #Lean #OEE #MES #Energieeffizienz

Prozessoptimierung ist ein Renditehebel: Wer technische Effizienz mit betriebswirtschaftlicher Steuerung verzahnt, senkt Stückkosten, steigert Liefertreue und bindet weniger Kapital – mit messbarem Effekt auf Ergebnis und Cashflow. ⚙️📈

Business-Ziel: Ergebniseffekt und Liefersicherheit

  • Zielgrößen schärfen: Durchsatz, Termintreue, variable Kosten, Kapitalbindung im Umlaufvermögen, Energieintensität, Qualität.
  • Ursache-Wirkung klären:
  • Kurze Durchlaufzeiten senken Umlaufbestände und damit das gebundene Working Capital.
  • Höhere Gesamtanlageneffektivität (OEE, Gesamtanlageneffektivität) stabilisiert die Liefertreue und reduziert die Stückkosten.
  • Bessere Erstpassquote senkt Nacharbeit und Materialverluste.
  • Niedrigere Energieverbräuche pro Gutteil mindern variable Kosten und Emissionen.

Technische Hebel: Was im Prozess wirklich wirkt

  • Fluss und Engpassführung: Wertstrom aufnehmen, Engpass identifizieren, Kapazität dort absichern. Kleine, gleichmäßige Lose und klare Steuerungsregeln reduzieren Wartezeiten und Umlaufbestände.
  • Rüstzeitverkürzung (Single Minute Exchange of Die, SMED): Systematisches Separieren interner/ externer Schritte, Vorrüstkonzepte, Schnellspanntechnik; Effekt: höhere verfügbare Laufzeit und flexiblere Reihenfolgen ohne Effizienzverlust.
  • Qualitätsabsicherung im Prozess: Fehlervermeidung (Poka-Yoke), statistische Prozessregelung, kurze Rückkopplungen. Ziel: stabile Fähigkeit des Prozesses und hohe Erstpassquote.
  • Instandhaltung mit Zustandsbezug: Sensorik, einfache Grenzwertlogiken und vorausschauende Analytik reduzieren ungeplante Stillstände; Ersatzteil- und Personaldisposition werden planbar.
  • Digitalisierung mit Produktionsleitsystem: Ein Manufacturing Execution System (MES, Produktionsleitsystem) nach VDI 5600 verknüpft Aufträge, Maschinendaten und Qualität; Kennzahlen nach ISO 22400 (z.B. OEE, Anlagenauslastung, Ausschussquote) in Echtzeit machen Abweichungen steuerbar.
  • Energieeffizienz im Betrieb: Energiemanagement nach ISO 50001 fokussiert auf die größten Verbraucher (Antriebe, Druckluft, Wärme). Last- und Leckagemanagement, drehzahlgeregelte Antriebe und betriebliche Sollwertstrategien senken Kosten pro Einheit.

Wirtschaftliche Wirkung: Von Kennzahl zu Ergebnis

  • Durchsatz am Engpass steigern → mehr verkaufte Einheiten bei konstanten Fixkosten → Ergebnisbeitrag steigt.
  • Rüstzeit senken → produktive Zeit steigt → Stückkosten sinken, Lieferfähigkeit steigt.
  • Erstpassquote erhöhen → weniger Nacharbeit/ Ausschuss → Material- und Qualitätskosten sinken, Kapazität wird frei.
  • Geplante statt ungeplanter Stillstand → Instandhaltungskosten stabilisieren sich, Umsatzrisiko sinkt.
  • Energie pro Gutteil senken → variable Kosten und CO₂-Fußabdruck sinken, Preissetzungsspielraum steigt.

Beispielhafte Zuordnung:

  • Hebel: Engpass stabilisieren. Kennzahl: OEE am Engpass. Wirkung: Mehr Deckungsbeitrag bei gleicher Overhead-Struktur.
  • Hebel: SMED. Kennzahl: Rüstminuten pro Auftrag. Wirkung: Geringere Losgrößen ohne Effizienzverlust, niedrigere Umlaufbestände.
  • Hebel: Erstpassquote. Kennzahl: Gutteile in Prozent. Wirkung: Material- und Arbeitszeitersparnis pro Auftrag.
  • Hebel: Zustandsbasierte Wartung. Kennzahl: Ungeplante Stillstandsminuten. Wirkung: Weniger Ausfallkosten und Terminsicherheitsrisiken.
  • Hebel: Energieoptimierung. Kennzahl: Kilowattstunden pro Gutteil. Wirkung: Reduzierte variable Kosten.

Umsetzung und Controlling: Vom Pilot zur Skalierung

  1. Diagnose fokussiert: Wertstromanalyse, Engpassbestimmung, Datenbasis prüfen (MES/ERP). Kritisch: Messpunkte, Zählerstände, Gut-/Schlechtteile, Stillstandsgründe.
  2. Business Case sauber: Maßnahmenpaket quantifizieren, Kapitalwert (Netto-Barwert) und Amortisationszeit berechnen. Return on Investment (ROI, Kapitalrendite) realistisch mit Sensitivitäten unterlegen.
  3. Pilotieren statt Großprojekt: Ein Bereich, klare Ziel-Kennzahlen (Key Performance Indicator, KPI), 8–12 Wochen. Physische Maßnahmen und Steuerungsregeln zuerst, Software unterstützt.
  4. Standardisieren: Arbeits- und Rüststandards, Wartungspläne, Eskalationslogik; Verantwortliche und Prüfintervalle definieren.
  5. Steuern im Takt: Tages- und Schichtbesprechungen, visuelle Kennzahlen, Plan-Do-Check-Act (PDCA, Planen-Umsetzen-Prüfen-Handeln) mit Abweichungsmanagement.
  6. Skalieren mit Architektur: Einheitliche Datenmodelle (z.B. nach ISO 22400), eindeutige Stammdaten, Schnittstellen zwischen Produktionsleitsystem und Enterprise Resource Planning (ERP, Unternehmensressourcenplanung). Cybersicherheit und Zugriffsrechte berücksichtigen.

Erfolgsfaktoren aus der Praxis

  • Messbare Ziele am Engpass, nicht „überall ein bisschen“.
  • Datenqualität vor Analytik: Zählwerke, Taktzeit, Stillstandsgründe und Gut-/Schlechtdefinition sauber und konsistent.
  • Einfache, robuste technische Lösungen vor komplexen: Mechanik, Sensorik und Standards, erst dann Sonderlogik.
  • Beteiligung der Mannschaft: Standards gemeinsam erarbeiten, Schulung am Shopfloor; so werden Verbesserungen stabil.
  • Governance: Ein Owner pro Kennzahl, definierte Zielkorridore und eindeutige Reaktionsregeln.

Quick-Checks für Führung und Controlling

  • Kennen wir den aktuellen Engpass und seine Hauptverluste in Minuten pro Schicht?
  • Ist die Erstpassquote je Hauptprodukt sichtbar und tagesaktuell?
  • Wie hoch ist die Rüstzeit-Varianz zwischen Teams/Schichten – und warum?
  • Welche drei Verbraucher bestimmen die Energie pro Gutteil – und wie werden sie geregelt?
  • Welche Maßnahmen haben den höchsten Effekt auf den Deckungsbeitrag je Engpassstunde?

Klare Prioritäten, robuste technische Hebel und konsequentes Controlling verbinden Technik mit Geschäftserfolg – so wird Prozessoptimierung zum sicheren Renditetreiber.

Quellen

  • ISO 22400-2: Key performance indicators for manufacturing operations management (2021), ISO 22400-2:2021, iso.org
  • ISO 50001: Energy management systems – Requirements with guidance for use (2018), ISO 50001:2018, iso.org
  • VDI 5600 Blatt 1: Manufacturing Execution Systems – Grundlagen (2016), VDI 5600-1:2016-11, vdi.de
  • Womack, J. P.; Jones, D.T.: Lean Thinking (2003), Simon & Schuster

Lassen Sie uns einen fokussierten Quick-Scan Ihrer Kernlinie planen und in 6–8 Wochen messbare Effekte realisieren. Kontaktieren Sie uns – Fragen zur Übertragbarkeit auf Ihren Betrieb beantworten wir gern.

Sie haben einen konkreten Anlass? Oder wollen einfach wissen, wo Sie stehen?

Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich. 30 Minuten am Telefon oder via Video. Ich melde mich innerhalb eines Werktages.