Aus der Praxis

Gefahrstoffe im Betrieb – ASchG oder GKV?

Jörg Lemmerer
#SicherIstSicher #GefahrstoffeÖsterreich

Gefahrstoffe stellen in vielen Betrieben ein bedeutendes Risiko dar – von Reinigungsmitteln über Lösemittel bis hin zu Schweißrauchen. Doch welche Rechtsgrundlagen sind maßgeblich? Das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) und die Grenzwerteverordnung (GKV) greifen ineinander und schaffen ein klares Regelwerk für den sicheren Umgang.

Rechtliche Grundlagen im Überblick

Das ASchG bildet die gesetzliche Basis für den Umgang mit gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen. Die §§ 40 bis 47 regeln umfassend die Pflichten von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Die GKV konkretisiert diese Vorgaben durch MAK-Werte und TRK-Werte sowie spezielle Bestimmungen zu krebserzeugenden Stoffen.

RechtsgrundlageAnwendungsbereichZentrale Regelungen
ASchG §§ 40-47Grundlegende SchutzpflichtenArbeitsplatzevaluierung, Substitution, Messungen
GKVGrenzwerte und DetailsMAK/TRK-Werte, krebserzeugende Stoffe
KennV § 1bKennzeichnungBereiche mit Gefahrstoffexposition

Arbeitsplatzevaluierung als Basis

Die Arbeitsplatzevaluierung nach § 4 ASchG muss die Exposition gegenüber Gefahrstoffen systematisch bewerten. Dabei sind alle gesundheitsgefährdenden Eigenschaften zu berücksichtigen – von akuter Toxizität über Ätz- und Reizwirkung bis hin zu krebserzeugenden Eigenschaften.

Der Grundsatz ist klar: Grenzwerte sind so weit wie möglich zu unterschreiten (§ 45 ASchG). Das bedeutet nicht nur Einhaltung, sondern aktive Minimierung der Exposition durch geeignete Schutzmaßnahmen.

Besondere Regelungen für krebserzeugende Stoffe

Die GKV regelt krebserzeugende Arbeitsstoffe basierend auf der CLP-Verordnung. Der Anhang III listet die entsprechenden Stoffe auf. Für diese gelten verschärfte Regelungen:

  • Strengere Messpflichten nach § 42 Abs. 3 ASchG
  • Verzeichnis exponierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (§ 47 ASchG)
  • Substitutionspflicht wo technisch möglich

Praktische Umsetzung im Betrieb

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

PhaseMaßnahmenRechtsgrundlage
1. ErfassungVollständige GefahrstoffinventurASchG § 40
2. BewertungExposition bewerten, Grenzwerte prüfenASchG § 45, GKV
3. SchutzmaßnahmenSTOP-Prinzip anwendenASchG § 7
4. ÜberwachungMessungen, GesundheitsüberwachungASchG §§ 42, 46
5. DokumentationVerzeichnisse, MessergebnisseASchG § 47

Kennzeichnung und Information

Gefahrstoffe müssen nach den Vorgaben der Kennzeichnungsverordnung gekennzeichnet werden. Dabei sind mindestens Name, Piktogramm sowie H- und P-Sätze erforderlich. Arbeitsräume mit Gefahrstoffexposition benötigen eine Kennzeichnung nach § 1b KennV – abhängig von der Evaluierung.

Messungen und Grenzwerte

Die GKV definiert MAK-Werte (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration) und TRK-Werte (Technische Richtkonzentration) für eine 8-Stunden-Exposition. Zusätzlich gelten Kurzzeitwerte (TMW) und spezielle Regelungen für krebserzeugende Stoffe.

Wichtig: Bei krebserzeugenden Stoffen der Kategorie III.A/B gibt es keinen „sicheren” Grenzwert – hier gilt das Minimierungsgebot besonders streng.

Gesundheitsüberwachung und Verzeichnisse

Beschäftigte mit Exposition gegenüber krebserzeugenden Arbeitsstoffen müssen in einem Verzeichnis geführt werden (§ 47 ASchG). Die arbeitsmedizinische Vorsorge richtet sich nach der Verordnung über die Gesundheitsüberwachung am Arbeitsplatz.

Substitution als Priorität

Das ASchG fordert eindeutig: Gefährliche Arbeitsstoffe sind durch weniger gefährliche zu ersetzen, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist. Diese Substitutionspflicht hat Vorrang vor anderen Schutzmaßnahmen und muss regelmäßig überprüft werden.

Die Zusammenarbeit zwischen ASchG und GKV schafft einen umfassenden Rahmen für den sicheren Umgang mit Gefahrstoffen. Entscheidend ist die systematische Herangehensweise: von der vollständigen Erfassung über die sachgerechte Bewertung bis hin zu wirksamen Schutzmaßnahmen.

Sie haben Fragen zur Gefahrstoffbewertung in Ihrem Betrieb oder benötigen Unterstützung bei der Umsetzung der rechtlichen Anforderungen? Kontaktieren Sie uns – wir helfen Ihnen gerne bei der praxisgerechten Lösung.


Quellen:

  • Arbeitsinspektorat: Kommentierte Grenzwerteverordnung (GKV) | arbeitsinspektion.gv.at
  • WKO OÖ: Arbeitsstoffe in der betrieblichen Praxis | wko.at
  • ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) | ris.bka.gv.at
  • Grenzwerteverordnung (GKV) idgF | ris.bka.gv.at

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