Aus der Praxis

Verpackungssysteme umstellen – Stolpersteine vermeiden

Aktualisiert 05. März 2026 Jörg Lemmerer
#AnlagenVerstehen

Beim Umbau von Verpackungslinien auf neue Systeme lauern zahlreiche technische Fallstricke. Wer diese im Vorfeld erkennt und systematisch angeht, spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern vermeidet auch ungeplante Stillstände während der kritischen Anlaufphase.

Planungsphase: Grundlagen richtig analysieren

Die häufigsten Probleme entstehen bereits in der Planungsphase durch unvollständige Bestandsaufnahmen. Moderne Verpackungssysteme mit intelligenten Überwachungsfunktionen stellen andere Anforderungen an die Infrastruktur als herkömmliche Anlagen.

PrüfpunktRisikoLösung
MedienversorgungDruckabfall bei SpitzenlastenRohrleitungsberechnung nach DIN EN 1775
Elektrische LeistungÜberlastung bei gleichzeitigem AnfahrenLastganganalyse und Leistungsreserven einplanen
BodenbelastungRisse durch ungleiche LastverteilungStatik-Gutachten für neue Maschinenfundamente
KlimatisierungKondensatbildung an empfindlichen KomponentenTaupunktberechnung und angepasste Lüftung

Die Integration von IoT-Sensoren und Echtzeitüberwachung erfordert eine stabile Netzwerkinfrastruktur. Veraltete Switches oder unzureichende Bandbreiten führen zu Datenverlusten bei der Qualitätskontrolle. 🔧

Materialfluss und Formatwechsel

Flexible Verpackungssysteme bieten zwar Vorteile beim Materialverbrauch, bringen aber neue Herausforderungen bei der Materialführung mit sich. Besonders kritisch sind die Übergabestellen zwischen den Anlagenteilen.

Typische Stolpersteine beim Materialfluss:

  • Formatwechselzeiten: Neue Systeme erreichen oft nicht die geplanten Umrüstzeiten, weil Bediener die Abläufe noch nicht beherrschen
  • Materialstau: Veränderte Produktgeometrien können zu Verstopfungen in Förderstrecken führen
  • Synchronisation: Bei modularen Systemen muss die Taktung zwischen den Stationen exakt abgestimmt sein

Die Lösung liegt in systematischen Schulungen und schrittweisen Testläufen. Beginnen Sie mit einfachen Formaten und arbeiten Sie sich zu komplexeren Produktvarianten vor.

Klebtechnik und Siegelqualität

Der Wechsel zu lösungsmittelfreien Klebstoffen reduziert zwar VOC-Emissionen, erfordert aber angepasste Verarbeitungsparameter. Die Offenzeit verkürzt sich erheblich, was präzisere Dosierung und schnellere Verarbeitung erfordert.

ParameterKonventionellLösungsmittelfreiAnpassung erforderlich
Offenzeit15-30 Sekunden5-15 SekundenDosiergeschwindigkeit erhöhen
Aushärtezeit24 Stunden2-6 StundenPufferzeit reduzieren
Temperatur20-25°C35-45°CHeizung nachrüsten
Feuchtigkeit<60% rF<40% rFEntfeuchtung verstärken

Automatisierung und Steuerungstechnik

Moderne Verpackungsanlagen setzen auf dezentrale Steuerungskonzepte. Jedes Modul verfügt über eigene Intelligenz und kommuniziert über Feldbusse mit der übergeordneten Leitebene. Diese Architektur bietet Vorteile bei Wartung und Erweiterung, erfordert aber neue Diagnose-Strategien.

Häufige Steuerungsprobleme:

  • Netzwerk-Timeouts: Überlastete Feldbusse führen zu Kommunikationsfehlern
  • Versionskonflikte: Unterschiedliche Firmware-Stände zwischen den Modulen
  • Parametrier-Fehler: Falsche Sollwerte bei der Erstinbetriebnahme

Qualitätssicherung während der Umstellung

Die Einführung digitaler Zwillinge hilft dabei, kritische Prozessparameter zu überwachen und Optimierungspotentiale zu identifizieren. Sensoren erfassen kontinuierlich Temperatur, Feuchtigkeit und Verpackungsqualität.

Die neuen Überwachungssysteme liefern deutlich mehr Daten als herkömmliche Anlagen. Ohne strukturierte Auswertung führt das zur Informationsüberflutung. Definieren Sie vorab klare Grenzwerte und Alarmstufen. 📊

Personalschulung und Betriebsübergabe

Selbst die beste Technik funktioniert nur mit qualifiziertem Personal. Planen Sie ausreichend Zeit für Schulungen ein – nicht nur für die Bedienung, sondern auch für Wartung und Störungsbeseitigung.

SchulungsinhaltDauerTeilnehmerZeitpunkt
Grundfunktionen1 TagMaschinenbedienerVor Erstinbetriebnahme
Formatwechsel2 TageEinrichterNach ersten Testläufen
Wartung Level 11 TagInstandhaltungParallel zur Inbetriebnahme
Störungsdiagnose2 TageTechnikerNach 4 Wochen Betrieb

Inbetriebnahme-Strategie

Starten Sie nicht mit der Vollauslastung. Eine stufenweise Hochfahrstrategie reduziert das Risiko ungeplanter Stillstände erheblich. Beginnen Sie mit 30% der Nennleistung und steigern Sie wöchentlich um 20%, bis die Zielleistung erreicht ist.

Dokumentieren Sie alle Änderungen und Optimierungen systematisch. Diese Informationen sind wertvoll für künftige Umstellungsprojekte und die Fehlerdiagnose.

Bei der Umstellung auf wiederverwendbare Transportverpackungen müssen bis 2030 bereits 40% der Systeme entsprechend ausgelegt sein – ein zusätzlicher Planungsfaktor für zukunftssichere Anlagen. ⚙️


Quellen:

– H.B. Fuller: Flexible Packaging Trends for 2025 (2025, hbfuller.com)

– IFCO Systems: Top 6 nachhaltige Verpackungstrends für 2025 (2025, ifco.com)

– Nefab: 2025 Year in Review – Packaging & Supply Chain Trends (2025, nefab.com)

– DIN EN 1775: Gasversorgung von Gebäuden (2020, beuth.de)

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